Bericht vom Jugendcamp der IV: Internationale

Mittwoch 24. August 2011 von Antoine

Revolution real, ya!

Sie kamen aus allen Regionen West-, Mittel- und Südeuropas, aber auch aus Polen, Kroatien, Mexiko, Tunesien und dem Irak. Rund 500 Jugendliche hatten sich zwischen dem 24. und dem 30. Juli in der südfranzösischen Kleinstadt Fumel eingefunden. Unter dem Motto „Revolution real, ya!“ (Eine wirkliche Revolution, jetzt!) fand dort das 28. internationale revolutionäre Sommercamp der IV. Internationale statt. Seit dem letzten Camp, welches vor einem Jahr in Italien stattfand, hatte sich die weltpolitische Lage stark verändert. Die Krise des kapitalistischen Systems ist weiter weg davon beendet zu sein als je zuvor. Die neoliberale Kürzungspolitik, wie sie u.a. in Griechenland, Italien und dem spanischen Staat z.Z. betrieben wird, empfinden immer mehr Menschen als das was sie ist, nämlich ein Generalangriff auf sämtliche soziale Errungenschaften der werktätigen Klasse. Die neu in Bewegung geratenen Menschen sind in immer stärkeren Maße entschlossen nicht mehr nur mit der Faust in der Tasche da zu sitzen, sondern sich dem entgegenzustellen und über Alternativen zum kapitalistischen System nachzudenken. Dies eröffnet RevolutionärInnen die Möglichkeit verstärkt in die gesellschaftliche Debatte einzuwirken, Kämpfe zusammenzuführen und Alternativen zu entwickeln.

Insbesondere in den um das Mittelmeer liegenden Ländern sind in den letzten Monaten Jugendliche und ArbeiterInnen auf die Straße gegangen, um sich gegen die Politik der Herrschenden zu wehren. Die sich entwickelnden Revolutionen im arabischen Raum sind die ersten Revolutionen des 21. Jahrtausends. Ihre Wurzeln liegen in der aktuellen Krise des kapitalistischen Systems. Daher sind sie auch an den schwächsten Gliedern der Kette der kapitalistischen Globalisierung zuerst ausgebrochen, den unterentwickelt gehaltenen Ländern. Die sich dort ausbreitende revolutionäre Welle zielt auf eine soziale und eine demokratische Revolution ab: die arbeitende Klasse steht auf, da sie nicht für die kapitalistische Krise zahlen will und um die durch den Imperialismus gestützten Diktaturen loszuwerden. Diese Bewegung verbreitete sich in den letzten Monaten wie ein Zündfunke, und gibt Millionen von unterdrückten Menschen weltweit Hoffnung, dass eine andere Welt möglich und nötig ist. Die Welle hatte in den Wochen vor dem Camp das Mittelmeer überquert und Europa erreicht. Konfrontiert mit den massiven neoliberalen Kürzungsprogrammen von Regierung und Kapital haben die ArbeiterInnen und die Jugendlichen auch in vielen europäischen Ländern sich erhoben. Doch die neoliberale Dampfwalze konnte noch nirgends stillgelegt werden. Demonstrationen, Streiks, Platzbesetzungen und Aktionen des zivilen Ungehorsams durchziehen diese Länder, aber eine Koordination der Proteste und ein internationaler Austausch fand bisher kaum statt.

Das Camp in Fumel stellte eine gute Möglichkeit für junge RevolutionärInnen da, sich zusammenzufinden, und die Kämpfe gegen das kapitalistische System, gegen Sexismus, Rassismus und die Zerstörung des ökologischen Systems zu diskutieren. Es war ein Ort um Erfahrungen darüber auszutauschen, wie wir antikapitalistische Organisationen und revolutionäre Parteien aufbauen können, die mit dazu beitragen der Bewegung Struktur und Kontinuität zu verleihen. Außerdem konnte hier diskutiert werden, welche Rolle wir, d.h. die Jugendlichen, in diesem Kontext spielen. Das Camp war auch eine gute Möglichkeit unser auf Selbstverwaltung basierendes Gesellschaftsmodell auszuprobieren und mit neuen zwischenmenschlichen Verhältnissen zu experimentieren, die ohne jegliche Unterdrückung funktionieren.

Nach einer Woche intensivem politischem Austausch, unzähligen Debatten und einer Menge Partys verließ so mancheR total übermüdet das Camp. Doch diese Woche hat uns auch gezeigt, dass die Zeit gekommen ist die Gesellschaft aufzubauen, die wir versucht haben im kleinen auf dem Camp zu verwirklichen, eine sozialistische Gesellschaft, die auf Selbstverwaltung, solidarischem Miteinander und ohne Unterdrückung funktioniert. Wir haben noch viel zu tun, denn die herrschende Klasse nimmt sich keine Auszeit und ist auch nicht in den Urlaub gefahren. Auf unserer Agenda steht massiver Widerstand. Wir lassen uns unsere Zukunft nicht stehlen. In unseren Schulen, in unseren Universitäten und an den Arbeitsplätzen gilt es jetzt die Bewegung aufzubauen. Eine wichtige Aufgabe liegt für uns darin, diese Bewegungen auf einem landesweiten und internationalen Level zusammenzuführen. Dazu organisieren GenossInnen der „Coalition of Resistance“ eine internationale Aktionskonferenz am 1. Oktober in London. Diese Konferenz stellt eine gute Gelegenheit dar, sich nach dem Camp wieder zu treffen und die dort begonnenen Diskussionen weiterzuführen.


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